Wollen wir solange zugucken bis es wieder zu spät ist?

Und dann später sagen, wir hätten ja von nichts gewusst?

Feuer

Bei manchen Themen schaut man/ich solange weg oder einfach vorbei, bis sie sich einem/mir massiv in den Weg stellen. Das scheint zur Zeit bei der Politik so zu sein, die sich auf die Welle von flüchtenden Menschen nicht annähernd genug vorbereitet hat, das trifft aber auch auf 90% der Bevölkerung inklusive mich zu.

Und wenn man/ich dann die Katastrophe nicht mehr ignorieren kann, weil sie vor der eigenen Haustür angekommen ist, dann muss man sich (ich/mich) entscheiden.

Pro oder Contra
Nazi oder Gutmensch
Zerstörer oder Unterstützer

Eine Zeitlang habe ich das dann im stillen Kämmerlein getan. Brav die richtigen Artikel auf Facebook geliked und geteilt. Mich mit netten Kommentaren auf die Seite der Guten gestellt. Mir in die Tasche gelogen, dass ja alles nicht so schlimm ist. Nein, nicht die Lage der Flüchtlinge, sondern dieser bodenlose und nicht zu ertragende Hass der wabernd durch die sozialen Netzwerken zieht.

Das wird man ja wohl noch sagen dürfen…

Der verbale Hass beginnt gemäßigt, mit einfachen Schuldzuweisungen: alle kriminell, nehmen uns Arbeit weg, kein Geld mehr für unseren Kindern bla bla bla.
Dann folgen weitere verbale Eskalationsstufen. Und am Schluss sind wir dann wieder bei: die sollte man vergasen, verbrennen, vernichten.

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Und dann liest man/ich von Brandanschlägen auf Flüchtlingsunterkünfte. Erst auf eine, und dann noch eine und noch eine. Und noch immer schreit es in meinem Hirn noch nicht wirklich Alarm. Aber müssten nicht Dauersirenen lärmen bei mir und bei allen anderen empathischen Menschen?

Ihr meint ich würde übertreiben? Dubiosen Quellen vertrauen?

tagesschau:  Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte – Fast täglich ein Angriff

Und wenn die Asylbewerber/Flüchtlinge sich einfach nichts zu Schulden kommen lassen, dann kann man doch einfach mal was erfinden:

BR Nachrichten: Übergriff durch Flüchtlinge in Holzkirchen frei erfunden

 

Wir müssen doch endlich mal vergessen dürfen

Die, die jetzt mit vernichtenden Worten oder Taten aktiv werden, das sind sicher die Gleichen, die in den letzten Jahren immer sagten: Wir müssen doch endlich mal vergessen dürfen, was die Deutschen den Juden (und Roma, Sinti, Behinderten….) angetan haben. Nein. WIR DÜRFEN NIE VERGESSEN.

Die Worte und Taten der „Das wird man ja wohl noch sagen dürfen“ Fraktion dürfen uns alle nicht kalt lassen. Wir müssen (ich muss) Rückgrat zeigen. In dem wir laut sagen, dass kein Mensch illegal ist. Dass es unsere verdammte Pflicht und Schuldigkeit ist, Menschen in Not zu helfen und ihnen die nötige Fürsorge zu gewähren.

Rein in die Diskussion oder raus aus der Beziehung

Ich werde auf alle Fälle versuchen Menschen in meinem Umfeld mit Fakten von ihren Ängsten zu befreien und wenn das nicht möglich ist, sie aus meinem Leben verbannen (was dann glücklicherweise wahrscheinlich nur meine Facebook „Freunde“ betrifft).

Den Anfängen können wir nicht mehr wehren, wir sind schon mitten drin. Wir müssen handeln, Tag für Tag.

Schweigen ist Zustimmung. Deswegen dürfen wir nicht schweigen.

Und wenn euch die Worte oder Fakten fehlen, dann werdet ihr hier fündig:

Eine Zusammenstellung von Reaktionen aus der Blogosphäre findet ihr bei Susanne:

Deutschland, was ist los mit dir?

Und ein kleiner Hinweis zu den Kommentaren. Ich freue mich auf den Meinungsaustausch mit euch. Rassistische und fremdenfeindliche Kommentare werde ich per Screenshot dokumentieren und danach löschen.

 

Weitere Blogposts aus dem Saarland zu diesem Thema:
EppelBlog: Denkt nach! Differenziert! Und vor allem: bleibt Mensch!

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12 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Andrea du sprichst mir aus der Seele. Mich kotzt (sorry) es dermaßen an was gerade bei Facebook für eine Hetze verbreitet wird.

    Heute der Bericht aus Dirmingen und noch schlimmer die Kommentare. Und das Schlimmste, dass Leute, von denen ich dachte, sie zu kennen, plötzlich teilen und liken.
    Mehrmals hab ich angesetzt, einen Kommentar drunter zu setzen, und hab’s verworfen. Weil der wetternde Pöbel es eh nicht verstehen würde. Und irgendwie fühlte ich mich nicht gut dabei, zu schweigen.

    Ich habe letztens meine halbe Wohnzimmer Einrichtung der Diakonie für die Flüchtlinge gespendet. Und Geschirr dazu. Und erntete nur Kommentare, warum ich’s nicht verkauft habe, das gute Möbel.

    In der ARD lief eine beeindruckende Reportage. Ein Reporter begleitete einen Rechtsanwalt auf der Flucht von Syrien nach Deutschland. „Ramis Flucht durch Europa“….

    Bei mir ist das Boot nicht voll. Bei mir läuft das Fass über. Und dazu kommt: Was den Kindern bei solchen Hasstiraden vorgelebt wird ist unterste Schublade. Armes Deutschland.

    • Mir ging es ganz genau wie dir. Ich schweige zu den Dirminger Vorwürfen – noch. Aber im Moment nur, weil keine offizielle Stelle die Fakten klar dargelegt hat. Wenn es diese Straftat gab, dann muss derjenige, der sie begangen hat, bestraft werden. Von unserer Justiz. Aber nicht von ein paar Gehirnamputierten.

      Ich bin auch erschrocken wie oft und von wem es geteilt wurde.

      Die Reportage will ich mir auch noch anschauen.

      Herzlichen Dank für deinen Kommentar.

      • Es ist mittlerweile offiziell bestätigt. Die Fakten? Ein Betrunkener hat äußerst brutal zugeschlagen. Das was gerade daraus gemacht wird, bricht mich unendlich an.

        Ansonsten stimme ich dir vollkommen zu.

        • Danke für die Fakten die du zusammengetragen hast.

          Mein Blogpost bezog sich aber nicht (nur) auf diesen Fall. Sondern auf das, was allgemein um uns herum vorgeht. Ich wollte ihn schon seit Tagen schreiben und nachdem jetzt alles so nah gerückt ist, wurde es Zeit.

          Und egal was auch immer passiert ist. Wir leben in einem Rechtsstaat. Ohne Selbstjustiz. Solche Aufrufe, wie im Blogpost dokumentiert, dürfen nicht unwidersprochen bleiben.

  2. Vielen Dank für die Informationen und wahren Worte…
    Leider scheint sich das Gros der gehirnamputierten in den sozialen Medien zu tummeln und sich auf die Anonymität des Internet zu verlassen…
    Mein Schritt zum Kampf gegen diese Personen ist ein Kick… Ein Kick aus der freundesliste, ein Kick aus meinem Leben… Gott sei dank sind die meisten nur virtuelle Freunde…

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