Urheberrecht oder die Schere im Kopf

Fotograf: spacejunkie Quelle: www.photocase.com

 

Jeden Tag erwischt es einige von uns. Wir werden gefunden. Aber leider nicht nur von wohlmeinenden BlogleserInnen. Findige Rechtsanwälte, deren Geschäftsmodell darin besteht abmahnwürdige Sachverhalte im Netz zu finden oder Firmen, die ihre Rechte bedroht sehen, werden ebenfalls in unseren Blogs fündig.

Fündig auf den Seiten von Feld-, Wald- und Wiesenbloggern wie mir, deren Bedeutung gegen Minus Unendlich geht. Denn, wir haben etwas gepostet was wir nicht durften, ein Bild, das wir in den Weiten des Netzes gefunden haben, einen Text, den wir so schön fanden, dass wir ihn mit vielen teilen wollten, ein Musikstück, das wir unseren Buddys, in diesem Fall Lesern, meinten auf keinen Fall vorenthalten zu dürfen.

Aber, weil es durch veränderte Konsumgewohnheiten zu Umbrüchen von ganzen Märkten kommt, muss das unbedingt verhindert werdeh. Und so suchen sich die Rechteinhaber und ihre Lakaien immer die aus, die das ganz große Ding drehen und versuchen, sie zu stoppen. Aber äh Moment mal, wie passen da besagte Feld-Wald- und Wiesenblogger, im folgenden FWWB genannt,  in dieses Feindbild?

Na, mit unseren 100 – 1.000 LeserInnen täglich selbstverständlich, die dadurch, dass sie das Bild gesehen, den Text gelesen, das Stück gehört haben, jetzt ein für alle Mal dafür verdorben sind, die Ware käuflich zu erwerben. Die sich quasi wie im Rausch, nur noch illegal ihre tägliche Dosis Augen- und Ohrenfutter bei den FWWB besorgen. Das könnte man meinen, wenn man die Unverhältnismäßigkeit sieht, mit der vorgegangen wird.

Ich will hier keine Diskussion über Urheberrechte lostreten. Da wurden schon Tausende geführt, nur leider meist so, dass man den Eindruck hatte, die Parteien würden sich absichtlich wie kleine Kinder aufführen, die trotzig mit dem Fuß aufstampfen und sich um ihr Förmchen balgen.

Mir wird das bloggen durch diese ganze Chose schon ein bißchen verleidet. Klar kann man wahrscheinlich ganz ohne die klitzekleinste Urheberrechtsverletzung ein Blog führen, aber ganz viele Möglichkeiten, auf Dinge hinzuweisen, die einem gefallen, scheiden einfach aus.

Wie will ich auf einen Dichter, eine Dichterin hinweisen, die ich gerade entdeckt habe und deren Gedicht mich tief berührt hat, wenn ich es nicht auf mein Blog stellen darf? Wird dadurch ein Buch weniger verkauft? Wie war es denn früher? Man bekam ein Buch in die Hand gedrückt, und wenn einem der Schriftsteller, der Dichter gefiel, hat man sich doch früher oder später auch ein Buch desjenigen gekauft, oft sogar mehrere.

Wenn ich Bilder von Waren bringe, die ich als Geschenk empfehlen möchte und ich zeige einen Screenshot, schon kann man mich wegen Urheberrechtsverletzung am Schlafittchen packen.

Das gleiche mit Musik.

Mit diesem Gebaren der Abmahnung und überrissenen Lizenzforderungen, hält man keinen gesellschaftlichen Wandel auf, man verzögert nur unnötig neue Lösungsansätze und produziert jede Menge Bauernopfer.

Und wagt man sich, sich zu wehren und an die Öffentlichkeit zu gehen, und nicht bei ersten Buuuuuh in Form einer hohen Nachlizenzierungsforderung wie bei mir, den Schwanz einzuziehen und klein beizugeben, dann gerät man vielleicht vollends ins Visier.

Wahrscheinlich lauern da draußen schon ein paar Abmahnhaieanwälte, um bei meinem ersten Verstoß gegen das Urheberrecht gleich nochmal den Dolch zu zücken. Dieser Gedanke kam mir nämlich heute, ,als ich die Mail eines Anwaltes bekam, der mich in freundlichen, aber doch in unmissverständlichen Worten darauf hinwies, dass ich mit dem Screenshot eines Google Doodles in einem der letzten Blogposts, gegen das Urheberrecht verstoße.

Ich habe daraufhin meine gesamte Mediathek gescannt und alles an Bildern entfernt, was nicht von mir ist, oder für das ich keine Rechte erworben habe. Bei manchen Bildern war es mir allerdings zu abstrus, sie zu entfernen, z.B. weil es eine Werbung für ein Produkt war..

Was bleibt ist ein blödes Gefühl und eine Schere im Kopf.

 

 

 

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Auf meinem Blog sind eh wenig Bilder. Ich achte mittlerweile auf Freigabelizenzen. Bei Texten finde ich die Kriterien übersichtlich.
    Ich halte die regeln auch für ziemlich bescheuert, halte mich aber weitestgehend daran.
    Links sind, soweit ich weiß, nicht verboten – wenn Text/ Bild sich auf anderen Seiten befindet.
    Ich geh im übrigen davon aus, dass sich in den nächsten Jahren einiges verändern wird.

    • Ich bin eben ein sehr visueller Mensch und liebe Bilder. Daher muss bei mir zu jedem Blogpost ein Bild dazu. Und ich gebe gerne 1 oder 2 € aus um ein Bild zu erwerben, aber manchmal braucht es eben einen Screenshot zum verdeutlichen.

  2. Pingback: Gelesen, KW 29 – Yrrsinnige sZeiten

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