Rezension: Der erschöpfte Mensch

 

Immer mehr Menschen fühlen sich erschöpft, ausgebrannt, das Phänomen Burn Out ist in aller Munde. Jeder hat seine Vorstellung, was sich hinter dem Ausgebrannt sein, dem Burn Out verbirgt.

In ihrem Buch: „Der erschöpfte Mensch“ geht die Juristin, Psychotherapeutin und Psychoanalytikerin Rotraud A. Perner der Seuche unserer heutigen Zeit auf den Grund.

Für die Autorin ist Burn-out ein gesundes Signal auf ungesunde Lebenssituationen.

Als mögliche Auslöser identifiziert sie u.a.

  • die Orientierung an Berühmtheiten, denen man nacheifern will, aber nicht kann
  • späte Väter
  • Therapeuten die ihre Praxen vollkriegen wollen
  • die Jagd nach der ewigen Jugend uvm

Sich nicht zu akzeptieren wie man ist, damit man nicht das Herausfallen aus der sozialen Gemeinschaft riskiert, stresst zusätzlich. Man konkurriert am Arbeitsplatz und in der Freizeit und darüber hinaus kämpft man immer noch gegen die Zeit, die einem zur Verfügung steht an.

Im Prinzip holt die Autorin bei der Beleuchtung der Stressauslöser zum Rundumschlag aus. Auf der Auslöserseite: die gesamte Neuzeit mit all ihren Errungenschaften, zumindest war das an vielen Stellen mein Eindruck.

Vollkommen abstrus wird es dann aber bei Sätzen wie: Gelegentlich ermordet ein/e Jugendliche/r sogar einen Elternteil, nur weil er oder sie die extensive Kommunikation über Facebook mit Computerverbot unterbinden wollte.

Eine Präsenz auf Facebook erspart nach ihrer Meinung „die schmerzliche Arbeit seelisch-geistigen Wachstums“.

Ihr Fett weg kriegen auch Manager, Kollegen und ein Hirnforscher. In wunderbarer Schwarz-weiß-Malerei sind die einen die ewigen Ausbeuter, die anderen inkompetent und der dritte handelt sich den Vorwurf ein sich mit fremden Federn zu schmücken. Wege der Arbeit an sich selbst, sei es über Schamanismus, NLP, Familienaufstellungen und Mentaltraining sind alle unnütz.

Gnade vor ihren Augen finden zwar ein paar Methoden  wie Autogenes Training und Mediation, aber die Lehrenden sollten am besten aus „staatlich-akademischen Unterrichtspositionen“ kommen und nicht aus „kommerziell ausgerichteten Bildungsinstituten“.

Mich lässt dieses Buch komplett ratlos zurück. Empfehlen kann ich das Buch all jenen, die wissen wollen, was in unserer Gesellschaft alles schief läuft. Wer Lösungen sucht aus dem Burn-Out rauszufinden, sollte sich auf  langatmig geschriebene Lesekost einstellen. Ich bewerte das Buch mit 3 von 5 Punkten.

Ich danke dem Residenz Verlag für dieses Rezensionsexemplar. Bestellen kann man das Buch direkt hier.

 

Aufmerksam auf das Buch wurde ich durch die Seite: Blogg dein Buch. Dort können sich Blogger um Rezensionsexemplare von Büchern bewerben. Dies ist im Rahmen von Blogg dein Buch meine erste Rezension und ich habe mir lange überlegt, ob ich wirklich in aller Deutlichkeit schreiben soll, was ich davon halte, denn meine Chancen, noch mal für eine Rezension ausgewählt zu werden, sind nach dieser Bewertung mit Sicherheit dramatisch gesunken. Aber da ich nicht zu den Menschen gehöre, die aus ihrem Herzen eine Mördergrube machen, gehe ich das Risiko ein.

Solltet ihr das Buch gelesen haben, würde mich eure Einschätzung sehr interessieren.

 

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6 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Ich finde die Rezension sehr aussagekräftig und danke Dir für Deine Offenheit!

    Ich fände es ja sehr schade, wenn bei *blogg dein buch* für weitere Rezensionen nur Fünf-Sterne-Rezensenten zum Zug kommen sollten, was ich aber ehrlich gesagt nicht glaube.
    Jedenfalls finde ich *alle Deutlichkeit* deutlich besser als Streamlining…

    • Danke Claudia für deine Unterstützung. Ich glaube auch nicht, dass das Problem bei Blogg dein Buch liegt, sondern bei den Verlagen, die sich unter den Bloggern, die sich um ein Buch bewerben, den passenden aussuchen.

      • Glaubst Du, dass die Verlage sich die Mühe machen?? Ich glaube eher, dass Blogg Dein Buch eine bestimmte Anzahl an Rezensionsexemplaren erhält und dann werden die Rezensenten ausgelost.
        Die Verlage können ehrliche oder gute oder schlechte Rezensionen ohnehin nicht verhindern, alleine Amazon bietet ja schon seit Jahren eine Plattform dafür… Schade wäre es ja auch nur, wenn einem durch zuviele negative Rezensionen eine eche Perle entgehen würde.
        Echte Perlen definieren sich für mich jedoch in einem Inhalt, der einem Hilfe gibt oder wenigstens zum Nachdenken anregt.
        Ich habe mich schon oft durch Rezensionen zu einem Kauf entschließen können oder auch gegen einen Kauf entschieden. Wenn man immer im Auge behält, dass auch der Rezensent eine subjektive Meinung zu dem Artikel/Buch hat, dann kann man die in der Rezension dargelegten Kriterien ja mehr oder weniger stark werten. Das *selberdenken* und *sich eine eigene Meinung bilden* kann einem ohnehin niemand abnehmen.

        • Das stimmt. Eine Rezension ist immer total subjektiv, außer es ist ein Journalist der die Ausbildung dazu hat, und der eigenes besser zurückstellen kann.

          Oft lese ich Rezensionen erst nachdem ich ein Buch gelesen habe. Aber ich habe mich auch schon mehr als einmal vom Kauf eines Buches abhalten lassen.

  2. Für diesen Beitrag danke ich dir. Meinerseits stimmt mich sehr bedenklich zu bestimmen, welche Methoden angebracht sind und welche nicht. Leben wir doch in der Vielseitigkeit des Menschen und auch Einzigartigkeit. Die Erkenntnis einer krankmachenden Gesellschaft erfordert lediglich einen wachen Blick auf die Realität und auf einen Selbst. Bei deiner Rezension kommt bei mir an, als würde die Schuld abgegeben an viele Faktoren, jedoch nicht daran appelliert Eigenverantwortung dafür zu entwickeln, was man sich antut.
    Ich werde es nicht kaufen.

    • Liebe Cherie, danke für deinen Kommentar. Du sprichst einen wichtigen Punkt an, den ich bei meiner Rezension nicht genügend gewürdigt habe. Doch die Autorin appeliert durchaus auch an die Eigenverantwortung, allerdings macht sie das so „hinner sich vor sich“ wie wir im Saarland sagen, dass ich oft keinerlei roten Faden gefunden habe. Wie gesagt, mich lässt das Buch ratlos zurück und es ist eines der Sachbücher mit denen ich mich bisher am schwersten getan hätte. Hätte ich keine Rezension schreiben müssen, ich hätte es nach 2 Kapiteln weggelegt. Ich kann es dir aber sehr gerne leihen.

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