Was kommt nach Bio?

 

“Was kommt nach Bio?” Unter diesem provokanten Titel hatte das Institut für Nachhaltige Ernährung und Ernährungswirtschaft, kurz iSuN, zu einer Tagung der anderen Art interessierte aus Forschung, Wirtschaft, Politik und konventioneller und alternativer Lebensmittelproduktion nach Münster geladen.

Schon beim Empfang im Treppenhaus merkte man, dass es hier nicht nach den normalen Tagungsregeln zugehen würde, wurden die Teilnehmer doch charmant von der Benutzung des Aufzugs weg, hin zur Treppe gelotst, um in den 3. Stock zu gelangen. Postkarten im Treppenhaus wiesen den Weg. Bei den Namensschildern dann die nächste Abweichung vom Üblichen, war doch neben Namen und Unternehmen auch noch ein Symbol aufgedruckt. Bei dem einen Käse, bei anderen Äpfel oder Croissants. Nach dem aufgedruckten Symbol musste man dann auch seinen Platz wählen. Der Sinn erschloss sich nach den ersten Impulsvorträgen. Alle Teilnehmer mit dem gleichen Symbol bildeten eine Diskussionsgruppe. Und bei der Auswahl der Teilnehmer hatten die Organisatorinnen darauf geachtet, sehr heterogene Gruppen zu mischen.

Im Laufe der Tagung die von Heike Leitschuh (Buch-Autorin und  Beraterin für Nachhaltigkeit) kompetent und sehr stringent moderiert wurde, wechselten sich Vorträge (bis auf eine Ausnahme ohne Powerpoint, darauf wurde großen Wert gelegt) und Gruppenarbeit ab.

Dabei war der rote Faden wie die Zukunft der Ernährung aussehen könnte das ständige Thema.

Zuerst wurden die großen Trends der heutigen Zeit definiert:

  • Bio
  • Regionalität
  • faire, umwelt- und sozialverträgliche Produkte und Produktion
  • und nach wie vor: Produkte die schmecken, wobei dies von verschiedenen Gruppen durchaus verschieden beurteilt wird.

Auch die eigene Erfahrung mit der Erzeugung von Lebensmitteln liegt voll im Trend, die Renaissance der Schrebergärten, Angebote wie Rent A Tree, Bio Patenschaften oder Engagement in einer Bürgeraktiengesellschaft wie Regionalwert sind ein gutes Beispiel dafür.

Die Mehrzahl der  VerbraucherInnen richtet  sein/ihr Kaufverhalten zwar noch nicht immer entsprechend aus, die Sehnsucht nach gesunden, naturbelassenen Lebensmitteln nimmt aber weiter zu. Sei es weil sie einen Kontrapunkt zu Entfremdung und Hochleistungsproduktion darstellen oder weil es als “Wiederanbindung an einen idealisierten Ursprung” empfunden wird  wie Mirjam Hauser (Gottlieb Duttweiler  Institute) erläuterte. Ein Auszug der vom GDI erstellten Studie kann man hier nachlesen.

Nachdem die Sehnsüchte identifiziert waren, galt es eine Vision der Ernährung 2050 zu zeichnen. Einem Zeitpunkt, zu dem 9 Milliarden Menschen weltweit ernährt werden müssen. Schon heute sind 1 Mrd. Menschen unterernährt, aber auch rund 1 Mrd. Menschen überernährt. Ob wir wirklich so viele Menschen werden ernähren können, ist heftig umstritten.

Eine Zusammenfassung der in den Diskussionsgruppen erarbeiteten Träume der Ernährung 2050 sieht so aus:

  • wir werfen weniger weg (ungeheure Mengen der produzierten Lebensmittel landen heute im Müll)
  • wir essen weniger Fleisch (mehr Getreide in menschliche Ernährung, Verringerung der Klimagase)
  • wir essen viel mehr regional und saisonal (durch die horrende Steigerung der Transportkosten)
  • die Eigenproduktion, auch in den Städten, steigt
  • die Strukturen werden wieder kleiner, die Versorgung engmaschiger

Frau Prof. Petra Teitscheid (Fachhochschule Münster) zog zum Schluss der Veranstaltung das Resümee das die Fragestellung nicht lauten muss: Was kommt nach Bio? sondern “Wie definiert sich Bio in Zukunft”.

Insgesamt war es eine sehr interessante Veranstaltung mit tollen Referenten und sehr interessanten Tagungsteilnehmern. Und ein ganz großes Kompliment an die Studentinnen die diese Tagung sehr professionell organisiert haben.

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3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Vielen Dank für die Zusammenfassung der Veranstaltung. Es sind sehr interessante Ansätze dabei, die nicht nur auf Bio ausgerichtet werden kann, sondern auch auf ein pragmatisches, “vernünftiges” Maß im Umgang mit Lebensmitteln. Vor allem der Stichpunkt “regionale Produkte” möchte ich gerne hervorheben. Mich stört es, Obst und Gemüse außerhalb ihrer Saisonzeit beim Händler zu finden (z. B. Spargel im Herbst), jedoch einheimische Produkte nur in wenigen Arten angeboten werden (z. B. nur ca. 5 Standardapfelsorten). Es gibt zahlreiche einheimische Gemüse- und Obstarten (z. B. eine Vielzahl an schmackhaften Apfelsorten), die in der Region gut gedeihen, in den Naturraum passen und dennoch die Speisekarte abwechslungsreich gestalten. Schade, daß diese Produkte kaum für die breite Masse (!) angeboten werden.

  2. Danke für den Kommentar @Garten2null, das sehe ich ganz genauso. Wichtig ist, dass wir alle umdenken was unseren Verbrauch angeht. Glücklicherweise findet im Handel ein Umdenken statt, regionale Erzeuger werden mehr beachtet. Und klar, es wäre toll, wenn man mehr der einheimischen Obstsorten angeboten bekäme.
    Aber nicht nur beim Obst ist Regionalität wichtig. Warum muss z.B. Milch, Butter und Joghurt einmal quer durch die Republik gekarrt werden. Es gibt viele Ansätze etwas besser zu machen, ob Bio oder konventionell.

  3. Besten Dank für die Info. Dieser Weg ist sicher der richtige.
    Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass ich viel wegwerfe. “Lieber ein bisschen mehr Hause für den unerwarteten Besuch”. Aber was ist, wenn das Brot hart oder schimmelig ist, dann bleibt fast nur noch der Mülleimer.
    Was hilft dem Singlehaushalt die kostengünstige Großpackung, wenn die Hälfte wegworfen wird.

    Also fassen wir Verbraucher uns mal an die
    eigene Nase, kakulieren besser unseren Bedarf, kaufen qualitativ hochwertige Lebensmittel auf
    dem Wochenmarkt und nicht im Discounter.
    Unterm Strich bleibt uns Genuss an den guten frischen Produkten, ein besseres Gewissen gegenüber unserer Nachwelt und evtl. sogar
    noch ein paar Euro im Geldbeutel durch Qualität statt Quantität.
    Ich hoffe dieses Wochenende auf hungrige Gäste damit meine “Nahrungsmittelkalkulation” aufgeht und der Mülleimer leer bleibt ;)

    Schönes und sonniges Wochenende

    Monasophie

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